Den Auftakt bildete ein Vortrag von Wirtschaftsdelegierten Peter Sedlmayer aus dem Österreichischen Außenwirtschafts Center in Stockholm. Österreich und Schweden liegen bei BIP, Exportartikeln und der Einwohnerzahl eng beisammen – einen großen Unterschied gibt es freilich bei der Landesgröße (450.300 km²). Ein interessanter Vergleich, der die Dimensionen verdeutlicht: Linz ist von Stockholm genauso weit entfernt wie Stockholm zu den nördlichsten Städten des Landes. Auch in Sachen Innnovation ist das Land ein Big Player, mit einer Forschungsquote von 3,42 % des BIP ist Schweden sogar Innovation Leader in Europa. 75 % der F&E-Gelder kommen aus der Wirtschaft, 25 % vom Staat. Gründe für diese Top-Performance: ein traditionell hoher Stellenwert der Forschung, Grußunternehmen mit forschungsintensiven Branchen (wie z.B. Ericsson, Astra Zeneca oder Volvo) sowie effiziente Cluster und Innovationssysteme. Dennoch – trotz guter Wirtschaftslage (ausgeglichenes Budget, sanierte Finanzen) stagniert die Forschungsquote auch in Schweden. Die Krise von 2009 bescherte dem Land sogar einen Rückgang um 9 %.
Der Besuch der RI.SE-Holding („Research Institutes in Sweden“) lieferte den ACR-ExpertInnen in Folge einen guten Überblick über die außeruniversitäre Forschungslandschaft Schwedens. Die Dachorganisation im staatlichen Eigentum verteilt öffentliche Mittel (rund 50 Mio. EUR jährlich) nach dem Umsatz mit der Wirtschaft auf ihre 4 Töchter: Die Swerea Group mit rund 500 MitarbeiterInnen und einen Umsatz von rund 60 Mio. EUR hat ähnliche Strukturen wie das ACR-Netzwerk. Sie umfasst branchenorientierte F&E-Institute u.a. aus den Bereichen Production Engineering, Composites, Kunststoffe, Korrosion, Metalle und Gießerei. Die Swedish ICT Research befasst sich mit Kommunikationstechnologien und Elektrotechnik, Innventia mit Verpackung, Papier/Zellstoff. Last but not least SP (Technical Research Institute of Sweden), das die Bereiche Bautechnik, Elektronik, Brandschutz, Lebensmittel, Chemie, Umwelttechnik und Holz.
Bei SP in Borås bei Göteborg ging es schließlich ans Eingemachte. Mit rund 1.200 MitarbeiterInnen in 9 Divisions und rund 10.000 Kunden ist SP einer der wichtigsten F&E-Partner der schwedischen Wirtschaft. Die ACR-Delegation besuchte die Abteilungen SP Fire Technology, SP Wood Technology und SP Chemistry and Materials – Bereiche, die sich auch stark in der ACR wiederfinden. So arbeitet die Holzforschung Austria bereits jahrelang mit dem schwedischen Pendant SP Wood Technology zusammen, z.B. im Bereich maschinelle Festigkeitssortierung, Holzschutz oder auch Bauphysik. Der Besuch, so die ACR-Holzexperten, wird neue Impulse für die Zusammenarbeit bringen. Anknüpfungspunkte ortet auch das größte ACR-Institut ofi – in den Bereichen Kunststofftechnik, Verbindungstechnologien und Biomasse. Auch für die ACR-Institute GET und ASiC war die Reise ein Erfolg, sind die Schweden ja gerade im Bereich Umwelttechnik Vorreiter.
Die Experten des ZFE Graz waren insbesonders von der Forschungsinfrastruktur beeindruckt – u.a. von einem Gerät für die Flugzeit Sekundärionenmassenspektrometrie (TOF-SIMS), ein Verfahren, das durch seine hohe Massenauflösung eine zuverlässige Identifizierung von sowohl organischen als auch anorganischen Komponenten einer Oberfläche mit hoher räumlicher Auflösung erlaubt. Kostenpunkt: 1,5 Mio. EUR.
ACR-Geschäftsführer Johann Jäger hat die Reise initiiert: „Für uns war es wieder spannend, über den Tellerrand zu schauen, wir haben einige Impulse bekommen – nun heißt es zu überlegen, welche positiven Aspekte der schwedischen F&E-Landschaft auf Österreich übertragen werden könnten“.
Die Wienerin ist Kommunikations-Wissenschaftlerin mit Leib und Seele
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